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"Der Euro: Europas Segen oder Fluch" 24. Oktober 2012

 
Euro-Kritiker Hans-Olaf Henkel spricht vor DWC über die Zukunft des Euros

„Bundesregierung handelt verantwortungslos“

Hans-Olaf Henkel: Das Niederreißen der Brand­mauer „No-Bailout-Klausel” machte Weg frei zur Tranferunion.

„Es gibt Alternativen!“, so das Credo des prominenten deutschen Eurokritikers Hans-Olaf Henkel bezüglich der Euro-Krise. Damit widerspricht er zugleich der von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in der Euro-Frage immer wieder vertretenen These von der Alternativlosigkeit. Vor den Mitgliedern und Gästen des Deutschen Wirtschaftsclubs machte er vergangenen Mittwoch im Hotel Marriott aber auch klar, dass es keinen leichten Ausweg aus der Euro-Krise gibt, nur schlechte und weniger schlechte.

Zu den schlechten Alternativen zählt der ehemalige Chef von IBM Deutschland und Vorsitzende des BDI auf jeden Fall den derzeit gewählten Weg der Bundesregierung, nämlich sich mit immer neuen Tricks und Kniffen Zeit zu erkaufen und sich vor einer nachhaltigen Lösung des Problems zu drücken. Eine „verantwortungslose Po­litik“. Insbesondere seit dem Kardinal­fehler, dem Kippen der No-Bailout-Klausel im Mai 2010 würden sich die Euro-Retter wie „ein in einer Reu­se gefangener Fisch“ immer tiefer in die Probleme verstricken. Alte Fehler würden durch neue nur notdürftig kaschiert, ohne eine grundlegende Lö­sung der Euro-Krise zu bewirken, während gleichzeitig die Kosten für die Rettungs­aktionen, aber auch einen Totalzusam­menbruch der Euro-Zone exponentiell nach oben gehen würden.
Bevor Henkel auf die verschiedenen Alter­nativen zu sprechen kam, erklärte er zunächst aber erst einmal, warum er einst für den Euro geworben und dann seine Meinung geändert habe. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Politik sämtliche Versprechen brechen würde, die sie bei der Ablösung der D-Mark durch den Euro gegeben hatte“, so Henkel ernüchert. Ohne substanzielle Folgen wurde auch der Maastricht-Vertrag etwa 60 Mal gebrochen. Den Ausschlag für seinen Wechsel ins Lager der Euro-Gegner brachte dann aber der von den Franzosen erzwungene und von Kanzlerin Merkel tolerierte Bruch der, einst von Horst Köhler in seiner Eigenschaft als ehemaliger Staatssekretär von Finanzminister Theo Weigel unter vielen Mühen festgeschriebenen No-Bailout-Klausel.
Henkel ist übrigens fest davon überzeigt, dass der wenige Tage später erfolgte Rücktritt Köhlers von seinem Amt als Bundes­präsident nicht mit „persönlichen Gründen“ zu tun hat, sondern mit dem verhängnisvollen Einreißen der „Brandmauer“, dem entscheidenden Schritt auf dem Weg zu Schaffung einer Transferunion, zu einem System der kollektiven Verantwor­tungs­losigkeit, das letztendlich zu einem bedeutenden Verlust der Länder der Euro-Zone an Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit führt. Das Miteinander der einzelnen Länder der entstehenden Schuldenunion verglich er mir einer Bundes­liga, bei der es nicht mehr um die Er­mittlung der besten Mannschaft geht, sondern in der sich nur noch Freundschaftsspiele geliefert werden. „Dies ist mindestens so spannend wie ein Laufwettbewerb, bei dem sich alle Teil­nehmer verabreden, zur gleichen Zeit die Ziellinie zu überschreiten“, so Henkel.
Der immer häufiger, gelegentlich selbst von Politikern geforderte Rauswurf oder zumindest freiwillige Austritt Griechenlands ist für Henkel aber auch kein gangbarer Weg. „Dieser Schritt würde mit unkalkulierbaren Risiken einhergehen“, so Henkel. Beispielsweise könnte es zu einem bank run kommen, der sich auch auf andere Südländer der Euro-Zone ausweiten könnte.
Vor dem Hintergrund dieser beiden wenig erquicklichen Alternativen hat Henkel das Modell der Aufspaltung der Euro-Zone in eine Nord- und eine Südzone entwickelt. Kern dieser Überlegung ist, dass die vier noch relativ gesunden Euro-Länder, also Deutschland, Finnland, die Niederlande und Österreich aus der Euro-Zone aus- und zeitweilig in eine zu schaffende Nord-Euro-Zone eintreten. Die anderen Länder würden dann wie gehabt den bisherigen Euro behalten, der dann aber natürlich gegenüber dem Nord-Euro sofort abwerten und damit einem Zustand näherkommen würde, der der Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder entspricht. Auf diese Weise könnten die wirtschaftlich angeschlagenen Süd-Euro-Länder wieder nachhaltig zu sich kommen, was mit auch noch so oft vorgenommenen Schuldenschnitten, den sogenannten hair cuts, nach Meinung von Henkel nicht möglich sei. „Sämtliche Währungskrisen der Vergangenheit, zuletzt die Argentinien- und die Russland-Krise haben gezeigt, dass Krisenländer nur dann wirtschaftlich wieder Fuß fassen, wenn Schuldenschnitte mit der Abwertung der eigenen Währung einhergehen“, so Henkel.
Bei allen visionären Gedanken bezüglich der Rettung von Europas Leistungsfähigkeit ist Henkel Realist geblieben. Die abweisende Haltung der bundesdeutschen Politik sowieso, aber auch des Großteils der Medien hat in ihm die Überzeugung reifen lassen, dass sowohl der Euro in seiner jetzigen Form als auch die Euro-Mitglied­schaft Griechenlands von den tonangebenden Politikern des Euro-Raumes gerettet werden – koste es (die deutschen, österreichischen, niederländischen und finnischen Steuerzahler) was es wolle.

Der komplette Vortrag von Hans-Olaf Henkel steht am Montag auf Youtube zum Ansehen und Herunterladen bereit – Suchbegriff: DWC.

Im Rahmen seiner zweitägigen Ungarnvisite gewährte Hans-Olaf Henkel der Budapester Zeitung ein fast zweistündiges Interview unter anderem über die politischen Ursachen der deutschen Haltung in der Euro-Frage und über mögliche Wege dem verhängnisvollen, nur noch auf Zeitgewinn bedachten Kurs der Bundesregierung zu beenden. In zwei Wochen wird das Interview in der Budapester Zeitung erscheinen.


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