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Veranstaltungen

BMW Diesel-Papst, Herr Dr.-Ing. Ferenc Anisits 30.03.2011

Revolutionär und Erfinder Ferenc Anisits zu Gast beim DWC

„Gibt es Reformnazis?“

Für viele der Anwesenden war es eine Überraschung, dass der Erfinder und ehemalige BMW-Top-Manager Ferenc Anisits vergangenen Mitt­woch auf einer Vortragsveranstaltung des deutschen Wirtschaftsclubs im Hotel Kempinski etwa die Hälfte seiner Vortragszeit nutzte, um sich zu politischen Fragen seines Vaterlands zu äußern. Wer das Leben von Anisits kennt, war darüber weniger überrascht.

Nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um gesellschaftliche Mißstände geht: “BMW-Diesel-Papst” Anisits.

Immerhin ist seine Jugend in Ungarn vor allem von der Teilnahme an der Revolution von 1956 geprägt, die für den damals gerade einmal 18 Jährigen um ein Haar bereits das Ende seines Lebens hätte bedeuten können. Seine folgenden Jahre in Ungarn waren von einem kurzen Ge­fäng­nis­aufenthalt und weiteren Repressalien durch das kommunistische Regime gezeichnet, bis er schließlich 1965 keine andere Alternative mehr sah als die Flucht in den Westen. Unmittelbar danach begann hier sein verblüffend steiler Aufstieg. Vom mittellosen, unbekannten ungarischen Flüchtling, der nicht einmal Deutsch sprach, schaffte er es durch Aus­dauer und „knochenharte Arbeit“ innerhalb von 15 Jahren an die Spitze der Diesel-Entwick­lungs­abteilung von BMW. Wenn BMW heute die besten Dieselmotoren der Welt baut, dann ist das vor allem das Verdienst des gebürtigen Szolnoker Ingenieurs. Kurz nach dem spektakulären Sieg eines BMW Diesel gegenüber einem Benziner aus demselben Hause 1997 auf dem Nürburgring, also auf dem Gipfel seiner Karriere, ging Anisits in den Ruhestand.

Geschmacklosigkeit und Schönfärberei

Zwar kann er noch immer leidenschaftlich vom Durchbruch der Dieseltechnologie bei BMW erzählen, zu aktuellen Fragen seiner Firma hält er sich aber zurück. Ebenso, wenn es um seine Person und seine Verdienste geht, von denen zu sprechen, es ihm – als durch und durch bescheidenen Menschen – sichtliches Unbehagen bereitet. Umso leidenschaftlicher nimmt er aber zu politischen Fragen Stellung. Rücksichtslos und mit der nüchternen Klar­sicht eines Ingenieurs prangert er Missstände an. Aus seinem kompromisslosen, nicht zuletzt seinen Jugender­fahrungen geschuldeten Antikommunismus macht er – liberaler Zeitgeist hin oder her – kein Hehl. Dass jemand mit einer Vergangenheit wie der grüne Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit seiner Heimat nur einen Tag später und ein Budapester Fünf­sterne-Hotel weiter Lektionen in Sachen Mei­nungs­freiheit und Demokratie hält, findet er „geschmacklos“.
Mit der ganzen Schönfärberei der Ver­gangenheit kann er nichts anfangen. „Warum sind eigentlich Reformkommunisten gesellschaftlich akzeptiert, während es den Begriff Reformnazi nicht einmal gibt?“, fragt er etwa provokativ. Auch zur Not­wen­digkeit einer neuen ungarischen Verfassung hat er sofort einen Vergleich zur Hand. „Stellen Sie sich vor, die Regierung Kohl hätte zur Wende mit der Regierung Modrow am Runden Tisch eine neue Verfassung ausgehandelt! Selbst wenn es dazu gekommen wäre, hätte so rasch wie möglich eine neue Verfassung verabschiedet werden müssen. Genau in diesem Kontext sind aber die gegenwärtigen Anstren­gungen der ungarischen Re­gie­rung zu bewerten.“ Dass die Geheim­dienst­akten bis heute nicht restlos aufgedeckt wurden, findet er „skandalös“. Ebenso, dass der unter anderem für die blutigen Vergeltungs­maßnahmen nach 1956 verantwortliche ehemalige kommunistische Innen­mi­nister Béla Biszkú von der Justiz unbehelligt und mit einer guten Rente versehen seinen Le­bens­abend in Ungarn genießen kann.

Ungenutztes Potenzial

Anisits hält sich aber auch an die Adresse der amtierenden Regierung nicht mit Kritik zurück. Insbesondere bei ihrer Wirt­schafts­för­de­rungs­po­litik sieht er Schwachstellen, konkret eine fehlende strategische Ausrichtung und Schwer­punkt­bildung. Ein generelles Problem Ungarns sehe er darin, dass hier die Fähigkeit und Bereitschaft von der weltweiten best practice zu lernen, schwach ausgeprägt sei. Durch Offen­heit gegenüber woanders funktionierenden Lösungen könnte das ressourcenknappe Ungarn viel teures Lehrgeld sparen. Nicht zuletzt machte er auf den Umstand aufmerksam, dass Ungarn durch die Unbilden des 20. Jahrhunderts zwar weltweit ein großes Heer an teils sehr erfolgreichen Lands­leuten besitze, ihr Potenzial, vor allem deren riesigen Erfahrungsschatz aber nur sehr ungenügend nutze. Auch hier sprechen wieder eigene Erlebnisse mit.

Veranstaltungen

Liebe Mitglieder und Freunde! Gerne dürfen wir Euch auf das Konzert von Man Doki Soulmates: Wings of Freedom
A Story of Mother Europe am Dienstag, den 8. August 2017 um 19:00 Uhr im Budapest Park, Budapest
hinweisen.

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Liebe Mitglieder und Freunde!
Hiermit möchten wir Euch herzlichst am Mittwoch, 21. Juni 2017 zu der letzten Veranstaltung vor der Sommerpause und damit traditionell zu unserer Top-Managerrunde und Sommerparty im Gundel Restaurant (1145 Budapest, Gundel Károly út 4.) einladen. 

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