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Veranstaltungen

Gastreferent. Dr. Matei I. Hoffman, Deutscher Botschafter 04. Juni 2013

Botschafter Matei Ion Hoffmann zieht vor DWC eine „Zwischenbilanz“

Das deutsch-ungarische Eigenkapital weiter stärken- geschrieben von in Wirtschaftspolitik

Nicht ohne eine gesicherte Faktenlage: Botschafter Matei I. Hoffmann.

Natürlich hätte der seit bald zwei Jahren amtierende Botschafter der Bundesrepublik Deutsch­land in Ungarn, Matei Ion Hoffmann, schon weit früher der Einladung durch den Deutschen Wirtschaftsclub Budapest nachkommen können, aber, so klärte er gleich eingangs, dann hätte er nur quasi eine Eröffnungsbilanz auf unbekanntem Terrain ziehen können, was nicht nur gefährlich, sondern auch spekulativ und daher für ihn „unseriös“ gewesen wäre. „Da ich Belegbarkeit und Nachprüfbarkeit der eigenen Aussagen vorziehe, fühle ich mich nun legitimiert, mich vor Ihnen zu äußern“, so der Botschafter, wobei er gleich eingangs elegant das Koordinatensystem beschrieb, in dem er seine verantwortungsvolle Arbeit leistet und in dessen Rahmen er hochkonzentriert und mit wohlgesetzten Formulierungen über eine Stunde lang eine „Zwischenbilanz“ – so der Titel seines Vortrags – ziehen würde.

Der Präzision und Vollständigkeit halber erwähnte er vor seinem eigentlichen Vortrag sogleich noch, dass Ungarn bereits vor seiner Zeit als hiesiger deutscher Botschafter schon einmal eine Rolle in seiner diplomatischen Karriere gespielt habe, genauer am 13. und 14. August 1989 sowie zwei Tage danach noch einmal, als er zusammen mit dem damaligen Staatssekretär Jürgen Sudhoff, als dessen Büroleiter, Ungarn im Auftrag von Bundesaußenminister Hans-Diet­rich Genscher zwei Besuche abstattete. Ziel war es gewesen, eine für die ungarische Seite zum damaligen Zeitpunkt gegenüber Ostberlin vertretbare Lösung des Problems mit den sich immer zahlreicheren DDR-Flüchtlingen zu finden. Bei den beiden Besuchen habe es unter anderem Treffen mit dem damaligen Außenminister Gyula Horn und dessen Staatssekretär László Kovács gegeben. „In diesen Gesprächen haben wir den Moment des Wechsels erlebt, wir konnten erleben, wie sich ein Land aus seinem Block löst. Das war eine historisch spannende Erfahrung“, erinnerte sich der Botschafter.
„Bereits im Sommer 1989 konnten wir in einer sehr dramatischen Situationen ein weiteres Element eines Fundaments im deutsch-ungarischen Verhältnis legen“, leitete er sodann zum Thema seines Vortrag über, nämlich den deutsch-ungarischen Beziehungen, wie sie sich ihm nach bald zwei Jahren aktivem Mitwirkens derzeit darstellen. „Man ist in einem Kontor tätig, das mit Unmengen von Bilanzen gefüllt ist. Eine Sichtung dieser Abschlüsse ergibt, dass sich im Laufe von Jahrhunderten ein gehöriges Eigen­kapital angesammelt hat, das als schwerer Anker kurzfristige Ausschläge ausgeglichen hat und immer wieder ausgleicht“, griff er die buchhalterische Formulierung des Titels seines Vortrags auf. Gegen Ende seines Vortrags kam er noch einmal auf dieses Bild zurück: „In bilanztechnischem Sinn sollten wir das deutsch-ungarische Eigen­kapital weiter stärken“. Zwischen diesen beiden Aussagen beschrieb er, auf welche Weise er tagtäglich zum Wachstum dieser starken Eigen­kapitalbasis beiträgt und manchmal auch nur einfach deren Abschmelzen verhindert. Um es auf den Punkt zu bringen: durch Faktentreue und mit viel diplomatischem Geschick vorgenommener Vermittlung zwischen deutscher und ungarischer Realität.
„Gute Journalisten und gute Diplomaten zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Tatsachen hinterherjagen, sie aufarbeiten und sie dann, ohne sie mit Wertungen zu vermischen, darbieten. Beides zu verwischen und erkenntnisleitend auf den Konsumenten zuzugehen ist unlauter“, beschrieb er seinen Arbeitsstil, zu dem auch gehört, sich zuweilen direkt vor Ort auf der Straße etwa von Protestaktionen ein persönliches Bild zu machen oder mit der Absendung von Berichten so lange zu warten, bis die Faktenlage ausreichend gesichert ist. Genauso wichtig für die Erhöhung der bilateralen Eigenkapitalbasis sei aber auch ein „enger, vielgestaltiger und, wo nötig, auch kritischer Dialog“, unterstrich er, um im gleichen Atemzug anzufügen: „Aber bitte ohne erhobene oder gar drohende Stimme.“ Und obwohl ihm angesichts der Art und Weise seines Vortrags sicher niemand im Saal Gegenteiliges unterstellen würde, setzte er noch hinzu: „Ein Megaphon zähle ich erst recht nicht zu meinen Arbeits­mitteln.“ Mit „politischer Schnappatmung“ komme man generell nicht weiter. „Damit wir uns nicht missverstehen: Das gilt für alle Seiten!“.
Sodann bot er verschiedene Kostproben davon an, wie er auf seine Art Kritik äußert und kritikwürdige Dinge zur Sprache zu bringt: „Eine Innen­politisch orientierte kräftige Wortwahl und schematische Einordnung Brüsseler Entschei­dungs­­prozesse in ein angebliches Bedrohungs­szenario wirken in einzelnen Zuspitzungen be­fremd­lich und nicht klimafördernd“, reflektierte er etwa auf die zuweilen recht drastische Aus­drucks­weise ungarischer Spitzenpolitiker. Im wirtschaftspolitischen Teil seines Vortrags, als es um die Stand­ortbedingungen für die Auslands­in­ves­toren ging, ließ Hoffmann die Bemerkung fallen: „Es bilden sich bedauerlicherweise Negativ-Faktoren für Investitionsentscheidungen heraus, die mit den vielen positiven Faktoren in Konkur­renz stehen und sich vielleicht noch nicht heute, aber möglicherweise auch nicht erst übermorgen unter dem Strich zu Ungunsten Ungarns auswirken können.“ Und mit Blick auf den stellenweise recht rigiden Umgang der Regierung mit abweichenden Meinungen riet er: „Bei innenpolitischen Ent­schei­dungen von großer Tragweite empfehlen wir ein inklusives Herangehen und raten zur Schaffung von Raum für ausreichende Diskus­sio­nen, auch abweichender Meinungen.“
Eher an die Adresse einiger Journalisten und Politiker aus dem deutschsprachigen Sprachraum gemünzt war wiederum diese Bemerkung: „Es gibt in der politischen Auseinandersetzung natürlich auch den einen oder anderen, der Ungarn als Projektionsfläche für eigene Pläne und politische Ideen sieht.“ Einige von diesen Leuten seien für Phänomene und Fakten, die von ihrer politischen Vorstellungswelt abweichen „nicht immer zugänglich und hören nicht immer gerne zu“, berichtete er aus eigener Erfahrung. Statt sie aber als unbelehrbare Ignoranten oder ähnliches zu be­zeichnen, attestierte Hoffmann diesem Schlag Mensch lediglich eine „kognitive Imperme­a­belität“, was im Prinzip nur ein anderer Ausdruck für das gleiche Phänomen ist. An dieser Stelle wies er auch jegliche Form von „unlauterer Un­ter­­stellungpolitik“ zurück, also jemandem etwas subjektiv zu unterstellen und dann daraus Schluss­folgerungen zu ziehen. Mit Blick auf die ihm sehr vertraute Praxis in Frankreich, wo es sogar einen speziellen Ausdruck für diese Vor­ge­hens­weise gibt, unterstrich Hoffmann: „Das ist unter intellektuell herausragenden Leuten absolut inakzeptabel. Daran sollten wir uns auch halten!“

Mitgliederzuwachs von einem Drittel

Eine Zwischenbilanz ganz anderer Art präsentierte eingangs der seit Anfang des Jahres amtierende neue DWC-Vorsitzende Arne Gobert. Bis zum Tag des aktuellen DWC-Vortragsabends hätten sich in diesem Jahr 29 Mitglieder dafür entschieden, dem Club beizutreten, darunter gleich mehrere, die ihm in der Vergangenheit schon einmal angehört hatten wie etwa der Generaldirektor der Zwack Unicum Zrt., Frank Odzuck, der sich an diesem Abend als einer von mehreren Neumitgliedern dem Publikum kurz vorstellte. Mit diesem Mitgliederzuwachs hat der Club seine diesjährige Eröffnungsbilanz innerhalb von nur vier Monaten um etwa ein Drittel erhöht.


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Liebe Mitglieder und Freunde! Gerne dürfen wir Euch auf das Konzert von Man Doki Soulmates: Wings of Freedom
A Story of Mother Europe am Dienstag, den 8. August 2017 um 19:00 Uhr im Budapest Park, Budapest
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Hiermit möchten wir Euch herzlichst am Mittwoch, 21. Juni 2017 zu der letzten Veranstaltung vor der Sommerpause und damit traditionell zu unserer Top-Managerrunde und Sommerparty im Gundel Restaurant (1145 Budapest, Gundel Károly út 4.) einladen. 

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