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Veranstaltungen

„Wo bleibt das ungarische Wachstum?“ 27. März 2013


Deutsche Großinvestoren äußerten sich zur Lage in Ungarn

Überwiegend heiter und nur vereinzelte Wolken

DWC-Vorsitzender Arne Gobert zusammen mit den Referenten des Abends: Jürgen Grunert (CFO der IT Services Hungary Kft), Javier Gonzáles Pareja (CEO der Robert Bosch Kft.), Hans-Günter Hogg (Vorstand der ELMÛ Nyrt.), Dale A. Martin (CEO der Siemens Zrt.) und Ekkehard Philipp (CFO der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft.) – von links nach rechts.

DWC-Vorsitzender Arne Gobert zusammen mit den Referenten des Abends: Jürgen Grunert (CFO der IT Services Hungary Kft), Javier Gonzáles Pareja (CEO der Robert Bosch Kft.), Hans-Günter Hogg (Vorstand der ELMÛ Nyrt.), Dale A. Martin (CEO der Siemens Zrt.) und Ekkehard Philipp (CFO der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft.) – von links nach rechts.

Während der Export nach Deutschland inzwischen Ungarns wichtigster Wachstumsmotor geworden ist, können deutsche Direktinvestoren als die wichtigsten Pfeiler der ungarischen Industrie gelten. Von daher ist die Frage ihres Wohlergehens von ausschlaggebender Bedeutung für die hiesige Wirtschaftsentwicklung. Der Deutsche Wirtschaftsclub (DWC) ging ihr auf seiner jüngsten Vortragsveranstaltung mit Hilfe von fünf Top-Managern deutscher Großinvestoren nach.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die deutschen Inves­toren fühlen sich bisher noch immer überwiegend wohl in Ungarn und sind mit den Standort­be­dingungen weitgehend zufrieden. Als wollte der DWC bewusst diese Realität abbilden, waren vier der eingeladenen Firmen ganz klar dem Lager der zufriedenen Inves­toren zuzurechnen: die IT Ser­vices Hungary Kft. – vertreten durch CFO Jürgen Grunert, die Siemens Zrt. – vertreten durch CEO Dale A. Martin, die Robert Bosch Kft. – vertreten durch CEO Javier Gon­záles Pareja sowie die Mercedes-Benz Manufacturing Hun­gary Kft. – vertreten durch CFO Ekkehard Philipp. Lediglich ELMÜ-Vor­stand Hans-Günter Hogg war es vorbehalten, das deutlich kleinere Lager der in vergangener Zeit mit den Stand­ortbedingungen immer weniger zufriedenen Firmen bei der Fün­fer-Runde zu repräsentieren.

In diese Rolle hat sich die RWE-EnBW-Tochter keinesfalls freiwillig begeben: nach Jahren der Prosperität und soliden Ent­wicklung fand sie sich gleich anderer Ener­gie­firmen aber kurz nach Amtsantritt der zweiten Regierung Orbán mit einem Mal in der Gruppe der „schlechten Multis“ wieder und kann sich seitdem vor diversen Sonder­steuern und anderen geschäftsschädigenden Maßnahmen kaum noch retten. Mitte März wurde ihr und anderen Energiefirmen von Premier Viktor Orbán im Parlament sogar höchstpersönlich der Krieg erklärt, nachdem sich diese Firmen geweigert hatten, die zehnprozentige Senkung der Energiepreise für Privathaushalte klaglos hinzunehmen. Hogg kann die Gründe für den Feldzug gegen seine Branche nicht nachvollziehen. Zumindest seine Firma habe in Ungarn bisher mehr investiert, als sie an Dividenden abgezogen hat. Außerdem würde sich der Staat teilweise praktisch selbst in die Tasche greifen, da er etwa an ELMÛ zu 15 Prozent beteiligt ist. Und überhaupt: ein überwiegend privates Investment braucht nun einmal eine gewisse Rendite, sonst ergäbe das Geschäftsmodell keinen Sinn.
Über all das würden er und seine Kollegen mit den Verantwortlichen auf der Seite des Staates gern persönlich sprechen. Allerdings stehen sie mit dieser Absicht ziemlich alleine da. „Wir haben wenig Möglichkeiten, mit Entscheidungsträgern zu reden“, so Hogg, wobei man ihm deutlich anmerkt, dass dieses „wenig“ in der vergangenen Zeit eher in Richtung „keine“ tendiert. Mangels klarer Informationen seitens des Staates, etwa ob und wann das Ende der Fahnenstange bei den Einnahmereduzierungen erreicht sei, sehe sich seine Firma nun zu einseitigen Schritten, unter anderem Investitionskür­zungen gezwungen. „In diesem Jahr werden wir unsere Investitionen um mindestens die Hälfte kürzen“, kündigte Hogg an. Dass dieser und weitere Schritte unter anderem auch zu Qualitätseinbußen führen werden, liegt klar auf der Hand. Obwohl sich Hogg mit der ihm eigenen netten und freundlichen Art reichlich bemühte, die Lage seiner Firma weniger drastisch darzustellen als sie in Wirk­lichkeit ist, war jedem Zuhörer klar, dass hier etwas sehr im Argen liegen muss.
Ganz anders sieht jedoch Situation bei den „guten Multis“ aus, zu denen nach Dafür­halten der Orbán-Regierung Multis gehören, die weder mit Energie, Telekommunikation, Geld oder sonstigen Dingen handeln, sondern in Ungarn etwas produzieren, je dinglicher, desto besser, am besten freilich Autos und alles was dazu gehört. So hatte es daher auch Mercedes-CFO Ekkehard Philipp nicht schwer, die Standortbedingungen seiner Firma in positiven Worten und persönlich sichtlich angetan von seinem neuen Gastland – „Ungarn war meine zweite Liebe auf den ersten Blick“ – zu schildern. Auch Daimler insgesamt scheint von Ungarn und speziell Kecskemét sehr angetan zu sein: Bevor es noch unter der vorherigen Regierung, im Herbst 2009 zur Grundsteinlegung kommen konnte, konnte sich Kecskemét unter insgesamt 50 zur Auswahl stehenden Standorten für die geplante Daimler-Investition durchsetzen. Für die Attraktivität Ungarns insgesamt spricht dabei übrigens, dass das Land unter den 50 Standortalternativen gleich sieben Mal vertreten war. Nach der Ent­schei­dung für Kecskemét sei der Aufbau der Fabrik dann zügig vorangekommen: „Wir haben alle Zeitpläne eingehalten“.
Während seines Vortrages immer wieder angesprochen und gelobt – „Da wächst eine tolle Generation heran“ – waren die ungarischen Arbeitskräfte. Bezüglich noch vorhandener Mängel mahnte er Geduld an: „Diese Zeit müssen wir uns geben.“ Generell sei gegenseitiger Respekt ein wichtiger Erfolgs­faktor. Prinzipiell sei aber auf jeden Fall die Zusammenarbeit des „Besten von deutscher und ungarischer Mentalität“ eine sehr erfolgreiche Verbindung. Doch nicht nur die Qualität der Arbeitskräfte, sondern auch die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbe­din­gungen könnten sich sehen lassen. Speziell lobte Philipp die vorhandene Möglichkeit der Einführung von Arbeitszeitkonten, die ein Atmen der Produktion ermöglichen würden, wobei hier aber noch viel Überzeugungsarbeitet geleistet und Misstrauen abgebaut werden müsse.
Mit dem Lob an der Qualität der Arbeits­kräfte, aber auch deren Kosten befand sich der Mercedes-Manager in guter Gesellschaft: Auch die Beiträge der anderen Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren voll des Lobes an diesem Standortfaktor. Ein genauso regelmäßig wiederkehrendes Motiv war bei allen aber ebenso die Sorge bezüglich der gegenwärtigen und zukünftigen Verfügbarkeit dieser geschätzten Arbeitskräfte. Dass immer mehr junge Ungarn ihre berufliche Zukunft außerhalb der Landesgrenzen ihrer Heimat sehen, und damit ein entscheidender, wenn nicht sogar der entscheidende Standort­faktor schwindet, erfüllte alle mit einer gewissen Unruhe. Sorgenvolle Appelle wie: „Ungarn darf seine Zukunft nicht ziehen lassen!“ kamen daher immer wieder in ihren Rede­beiträgen vor.
Um die Versorgung mit Arbeitskräften in der richtigen Zahl und Qualität sicherzustellen, ist schon jetzt erhebliche Eigeninitiative gefragt. So berichteten die Firmenvertreter von Kooperationen mit Universitäten und Fachmittelschulen, von einer in Eigenregie begonnenen dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild bis hin zu Maßnahmen wie der Schaffung von Betriebskindergärten oder dem Abhalten von sogenannten „Girls days“, um potenzielle weibliche Mitarbeiter anzulocken. Davon, die Mitarbeiter über deutlich verbesserte Gehälter bei sich und damit auch im Land zu halten, sagte keiner der Vortragenden etwas. Prinzipiell betrachte man es als eine Aufgabe des Staates den verhängnisvollen Go-West-Track seiner jungen Landeskinder zu stoppen.
Dass im Zuge der staatlich verfügten Maßnahmen sich inzwischen immer weniger Ungarn für einen Universitätsbesuch entscheiden würden, sehe man ebenfalls mit Sorge, da mit abnehmenden Absolventen­zahlen auch die Menge sinke, aus der sich die Firmen qualitativ entsprechend geschultes Personal heraussuchen können. Wobei an dieser Stelle von einem Diskutanten auch die Meinung vertreten wurde, dass noch immer für zu viele Ungarn der Weg über Unis führen würde, statt wie etwa in Deutschland für viele auch über Berufsschulen. Das sei ein Fehler im System, der ebenso wie ein weiterer, nämlich das fast gänzliche Fehlen eines Mittelstandes von der Regierung korrigiert werden müsste. Kritisiert wurde weiterhin, dass die ungarische Regierung zu sehr und zu einseitig auf die Automobilindustrie und insbesondere auf Investoren aus diesem Bereich, besonders aus Deutschland setzen würde. Schließlich funktioniere das Modell der verlängerten Werk­bank nur solange, wie es von den Mutter­fir­men Aufträge bezie­hungs­weise von den Märkten Nachfrage gebe.
Vereinzelte Kritik gab es auch noch an den gesetzlichen Rahmenbedingungen („zu bürokratisch, nicht ausreichend transparent und berechenbar“), an der Fördergeldpolitik („zu kurzfristig“) aber auch an der Kom­mu­ni­kation der Regierung („Wir sind eine etwas andere Kommunikation gewohnt.“). Prin­zi­piell beschränkte sich die Kritik an der Regierung aber auf eher technische Aspekte. Doch auch mit Lob wurde nicht gespart: Neben immer wiederkehrenden Kom­pli­menten an die Adresse ungarischer Arbeit­nehmer, wurde sogar das Steuerwesen Un­garns eher positiv bewertet: „Die Unterneh­mens­besteuerung ist generell handhabbar und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig“, bemerkte etwa Jürgen Grunert – zumindest mit Blick auf sein Unternehmen.
Im Großen und Ganzen vermittelten, zumindest die vier Vertreter von „guten Multis“ einen zuversichtlichen Eindruck hinsichtlich ihres weiteren Engagements in Ungarn. Wer an diesem Abend ein von deutschen Medien­be­richten geprägtes negatives Ungarnbild bestätigt sehen wollte, wurde überwiegend enttäuscht. Der in einer der fünf Powerpoint-Präsentationen einmal eingestreute Hinweis „Die Anerkennung von erfolgreich etablierten Prinzipien in einem gemeinsamen Kul­tur­kreis sollte selbstverständlich sein“, war schon das Äußerste an politisch gefärbter Kritik. Das hatte zum einen den einfachen Grund, dass sich die fünf Top-Manager an dem Abend natürlich nicht als Privat­per­sonen äußerten, sondern als Vertreter von namhaften deutschen Großun­ter­neh­men, deren Pressestellen es natürlich alles andere als gutheißen würden, wenn ihre hiesigen Statt­halter in aller Öffentlichkeit zu politisieren begännen. Zum anderen rührte die zu beobachtenden Zurück­hal­tung in Sachen Kritik an der ungarischen Regierung aber auch daher, dass es für die Top-Mana­ger – abgesehen vom ELMÛ-Vertreter – mit Blick auf ihre jeweiligen Firmen und ihren direkten Unternehmens­alltag in Ungarn tatsächlich keine dramatischen Kritikpunkte gibt.

 



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